Das Zeitalter des Perm (290 – 251 Millionen Jahre vor heute)

Perm: Das ist eine Stadt und eine Provinz in Russland, im Vorland des Urals. Bezeichnungen für Erdzeitalter und auch andere Fakten in der Geologie werden manchmal nach Orten oder Landschaften benannt. Das rührt daher, dass dort für eine bestimmte Zeit typische geologische Phänomene, wie z.B. typische Ablagerungsabfolgen vorhanden sind und oft auch eine Erstbeschreibung der entsprechenden geologischen Fakten in diesem Gebiet gemacht wurde.

Ganz ähnlich ist es beispielsweise für den Namen Jura. Die ursprüngliche Bezeichnung „Jura“ ist die uns allen bekannte geografische Region in der Schweiz und in Frankreich. Dort finden sich typische Ablagerungsabfolgen von Kalken und Mergeln aus dem von Geologen benannten Jurameer der Tethys. Und schliesslich bezeichnet Jura den erdgeschichtlichen Abschnitt mit den Ablagerungsfolgen auf allen Kontinenten im Erdmittelalter (Mesozoikum) von 206 bis 142 Millionen Jahren vor heute. Man sieht daran, dass von den Kalken der Alpen und des Juras im Perm noch nichts vorhanden war. Das Perm ist der letzte erdgeschichtliche Abschnitt im Erdaltertum (Paläozoikum). Gegen Ende dieser Zeit wurde der Superkontinent Pangäa mit dem Anschluss vom damaligen Sibirien und der Bildung des Urals fertig zusammen geschweisst. Nur Südostasien kollidierte etwas später an Pangäa.

Nahe dem Äquator lagen damals das Gotthardmassiv und das Aaremassiv. Allerdings durch die über Millionen von Jahren wirksame Verwitterung und Erosion ziemlich eingeebnet. Am Südrand eines künftigen Europas gab es Ende des Perms , im „Verrucano“, eine ganze Reihe von Trögen in Wüsten, die mit Verwitterungsmaterial von alten Gebirgen aufgefüllt wurden. Darin finden sich heute oft viele Gesteine aus vulkanischer Tätigkeit, die damals regional bedeutend sein mussten.

Grosskontinent Pangäa im Perm

Ein grosses Becken war das „Glarnerbecken“, wo der uns bekannte Verrucano entstand. Ein anderer grösserer Bereich ähnlicher Ablagerungen ist in den Dolomiten, die Grödner Formation, sozusagen der Verrucano der Dolomiten. Während sich die meisten dieser permischen Ablagerungen heute in normaler Lage, nämlich überschichtet von jüngeren Gesteinen, präsentieren, liegen jene des „Glarnerbeckens“ über jüngeren Gesteinsschichten – Kreide und vor allem Flysch. Das können wir an verschiedenen Orten sehr schön sehen, z.B. auf Führungen in Flims, am Pizol, im Weisstannental, in Elm usw.

Im Perm bestanden auf dem Grosskontinent Pangäa grosse klimatische Unterschiede mit kleinräumigen Extremen. Sehr bedeutend war auch die grosse Vereisung im Süden der Erde. Am Ende des Perms fand das grösste Massenaussterben der Erdgeschichte statt. Vor allem betroffen waren die Landwirbeltiere und die Meeresfauna. Grosse Gruppen von Korallenfamilien, die Trilobiten, die Fusulinen (charakterische Grossforaminiferen) und vieles anderes mehr starben aus. Die Ammoniten starben auch beinahe aus. Sie erholten sich wieder im Mesozoikum (Erdmittelalter) und wurden zu einer dominanten Tiergruppe bis zum Ende der Kreidezeit (weiteres grosses Massenaussterben). Ende des Perms oder zu Beginn des Erdmittelalters, in der Trias, wurden bedeutende Teile des Grosskontinentes Pangäa vom Meer eingenommen. Dann begann für unser Gebiet und auch für die damaligen Wüstenbecken, auch für das „Glarnerbecken“, eine fast 200 Millionen Jahre marine Ablagerungsgeschichte bis zum Ende der Kreidezeit. Einige Kilometer dicke Sedimente bedeckten mit der Zeit den Verrucano.

Piz Dolf, Cassonsgrat GR
Literatur:

Historical Atlas oft he Earth, R. Osborne, D. Tarling; Viking
Geologie der Alpen, O. A. Pfiffner; utb
Historische Geologie, S. M. Stanley; Spektrum
Evolution der Erde, W. Oschmann; utb
Plattentektonik, W. Frisch, M. Meschede; Primus

SARDONA NETZWERK NATUR

Wir sind engagierte Guides und Geoguides, die interessierten Naturfreunden Berge, Pflanzen und Tiere im Sardona Netzwerk Natur näher bringen. Wir vernetzen unser Wissen und Informationen untereinander und zum Vorteil unserer Besucher/Besucherinnen. Zwischen den Guides gibt es keine materielle Zusammenarbeit. Jeder/jede Guide führt Wanderungen auf eigene Verantwortung durch. Unsere Zusammenarbeit beschränkt sich auf informative Inhalte im Rahmen dieser Website.



UNESCO-WELTERBE

Das über 300 Quadratkilometer grosse Gebiet um den Piz Sardona im Grenzgebiet der Kantone St. Gallen, Glarus und Graubünden wurde 2008 auf Liste der UNESCO-Welterbe aufgenommen.


IMPRESSUM UND DATENSCHUTZ

Verantwortlich für die Web-Site ist Hans Conrad.
E-Mail-Adresse und unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.